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Der "Stecklidonschtig" oder der liberale Umschwung

1829
Ende der 1820er-Jahre ist die Restauration festgefahren. Ihre Repräsentanten treten zurück und machen einer neueren, jüngeren Generation von Politikern Platz, die in den alten, rückwärts gewandten Strukturen keinen Sinn mehr sieht. Beflügelt durch die französische Julirevolution von 1830, weht erneut ein Wind des Aufbruchs durch das Land. In der Landschaft finden die neuen liberalen Gedanken schnell viele Anhänger. Ab Anfang Januar 1831 arbeitet der St. Galler Verfassungsrat an einem neuen Werk. Den Rheintalern geht es jedoch zu wenig schnell. Mehrere Hundert mit knorrigen Stöcken bewaffnete Männer – alle aus Rheintaler Gemeinden – wollen deshalb dem Verfassungsrat Beine machen. Jener Tag geht als "Stecklidonschtig" in die Kantonsgeschichte ein.

Enthaltungen werden zu Ja-Stimmen
Ende März ist es schliesslich soweit. Die neue liberale Kantonsverfassung wird mit 9190 Ja-Stimmen zu 11‘092 Nein-Stimmen bei 12‘692 Enthaltungen angenommen. Alle Enthaltungen werden als Ja-Stimmen gewertet! Balgach hat sich für die neue Verfassung nicht sonderlich engagiert: Über seine beiden Vertreter im Verfassungsrat wird Folgendes notiert: "Schmidheiny hat in einer der letzten Sitzungen etwas aus seinem Notizbuch heraus vorgelesen, worüber man nicht klar wurde. Zünd stellte sein Ämpelein unchristlich unter den Scheffel und liess es nicht leuchten im Ratsaal."